Die Zukunft und die Geschichte des Etosha Nationalparks

Das Etosha-Gebiet gehört nach den Normen der renommierten UN-Beobachterstatus genießende Weltnaturunion IUCN (“International Union for Conservation of Nature and Natural Resources”) zur Schutzgebietskategorie II. Die Schutzgebiete dieser Kategorie werden allgemein als “Nationalpark” benannt. Häufig – wie im Fall des Etosha National Park -gehört “Nationalpark” auch zur Eigenbezeichnung. Für Nationalparks gilt, dass sie wie die Schutzzonen der IUCN-Kategorie I (“Naturreservat”) im besonderen Maße dem Schutz von Ökosystemen dienen. Anders als die für die Öffentlichkeit normalerweise nicht oder nur sehr eingeschränkt zugänglichen Naturreservate sollen Nationalparks aber ausdrücklich auch der Erholung und der Information von an Natur interessierten Menschen dienen. In diesem Sinne kann der Nationalpark auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Damit gehört das Gebiet zu den ältesten Schutzgebieten seiner Art weltweit.

Etosha zur Zeiten der Ureinwohner

Die Geschichte des Etosha Nationalparks als Region ist natürlich wesentlich älter. Als Ureinwohner der namibischen Nordregion gelten oft unter dem nicht unumstrittenen Begriff “San” oder “Khoisan” zusammengefasste Ethnien. Die früher auch als “Buschmänner” bezeichneten relativ kleinen Menschen dieser Ethnien haben wahrscheinlich vor 10.000 bis 20.000 Jahren das spätere Namibia besiedelt. Möglicherweise sind gleichzeitig auch andere Gruppen wie die Damara ins Land gekommen. Diese ersten Namibier haben sich als Jäger und Sammler hervorragend an die natürlichen Gegebenheiten angepasst. Im Zuge von Völkerwanderungsbewegungen erreichten in der frühen Neuzeit aus Norden und Osten vordringende Bantu sprechende Ethnien das Gebiet. Dazu gehörten insbesondere die rinderhaltenden Herero und die Ackerbau treibenden Ovambo. Diese im Vergleich zu den Ureinwohnern zahlenmäßig größeren Gruppen drängten bei ihren Besiedlungen die San-Bevölkerung häufig ab.

Höhlenmalerei

Etosha in der Kolonialzeit

Im 19. Jahrhundert kamen erste weiße Siedler, Händler und Missionare aus Europa und Südafrika in das Land. Einige von ihnen baten Großbritannien und das Deutsche Reich um Schutz. Das im Wettlauf um Kolonien spät angetretene Deutsche Reich nahm dieses Schutzgesuch als Vorwand, um sich das spätere Namibia als “Schutzgebiet Deutsch-Südwestafrika” 1884 anzueignen. Zu den positiven Aspekten der faktisch im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg bereits 1915 wieder beendeten deutschen Kolonialherrschaft gehörte für die Geschichte des Etosha Nationalparks die Ausweisung weiter Gebiete um die Etosha-Pfanne als Wildreservat. Das Gebiet war 1851 erstmalig von Europäern betreten worden. Kurz nachdem etwa 75 % der Herero-Bevölkerung sowie tausende Nama in einem heute als Genozid bezeichneten Kolonialkrieg (1904 – 1907) umgekommen waren, hatte der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Friedrich von Lindequist 1907 die Einrichtung eines Wildreservats angeordnet.

Das damalige sich bis an die Küste ausdehnende Schutzgebiet war mit fast 100.000 qkm erheblich größer als heute. Es sollte dafür sorgen, dass sich die nicht zuletzt durch europäische Großwildjäger dramatisch dezimierten Wildbestände wieder erholen konnten. 1915 kapitulierte das deutsche Kolonial-Militär nach einem Jahr Kampf gegen britische, südafrikanische und portugiesische Truppen. 1919 wurde Südwestafrika als Völkerbundmandat unter die Oberherrschaft der Südafrikanischen Union gestellt. Dieses Mandat behielt Südafrika auch nach dem Zweiten Weltkrieg, obwohl es mehrfach von der UNO als Völkerbunds-Nachfolgeorganisation aufgefordert wurde, Namibia in die Unabhängigkeit zu entlassen.

Afrika zur Kolonialzeit

Etosha nach Namibias Unabhängikeit

In der bis zur 1989 erkämpfen Unabhängigkeit Namibias dauernden südafrikanischen Zeit wurde das 1964 offiziell zum Nationalpark erklärte Gebiet schrittweise auf seine heutige Größe reduziert. Gründe dafür waren vor allem die Forderungen der Rinder- und Ackerbauern der Umgebung nach landwirtschaftlich nutzbaren Flächen. In den 70er Jahren gab es eine weitere Zäsur für die Geschichte des Etosha Nationalparks: Um die Farmen vor Wildwechsel zu sichern und andererseits auch das Wild vor Bejagung zu schützen, wurde das gesamte Nationalparks-Areal bis zu 1973 eingefriedet. Der Zaun hat heute eine Gesamtlänge von 1700 km. Katastrophal für den Wildbestand und die Infrastruktur des Parks waren die jahrzehntelangen Kämpfe zwischen südafrikanischem Militär und namibischen Befreiungskräfte ebenso wie der auch im Norden Südwestafrikas tobende Angolanische Grenzkrieg. Nach der Unabhängigkeit erholten sich die schwer betroffenen Bestände zum Glück wieder.

Etosha NP 1970

Etosha in der Zukunft

Bis 2011 beziehungsweise bis 2014 war lediglich die östliche Nationalparks-Hälfte mit der Etosha-Pfanne touristisch allgemein erschlossen. Der Westteil war anders als heute nur mit erheblichen Beschränkungen für Besucher zugänglich.

 

Die Verantwortlichen im namibischen Ministerium für Naturumgebung und Tourismus sowie andere mit der Zukunft des Nationalparks befasste Personen und Organisationen stellen aktuell Überlegungen an, das Nationalparkgebiet wieder zu vergrößern und mit anderen Schutzgebieten zu vereinen. Parallel dazu wird versucht, die Akzeptanz des Wildschutzgedankens auch bei den umgebenden Bauern zu fördern. Dabei spielt der Ansatz, den Anliegern die wirtschaftlichen Vorteile aufzuzeigen, die sie ganz handfest von einer Zusammenarbeit haben könnten, eine wichtige Rolle. Schon jetzt ist eine Reihe von privaten Wildfarmen in der Nachbarschaft des Nationalparks entstanden. Hier werden zum Beispiel verletzte oder kranke Park-Tiere gepflegt. Auch gibt es Angebote für Jagdtourismus. Ferner ist angedacht, die häufig gesellschaftlich marginalisierten San-Gruppen in das Nationalpark-Konzept zu integrieren. So ist es vorstellbar, dass einige San dauerhaft im Nationalpark leben und dort in Einklang mit der Natur ihrer traditionellen Lebensweise nachgehen könnten.

Etosha Pan

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